Dieses Wochenende werden alle, die dabei waren, nie vergessen: Die gemeinsame weibliche A-Jugend des TSV EBE Forst United und des TSV Allach gewinnt das Qualifikationsturnier in Hessen (Gruppe 1 Süd) gegen starke Konkurrenz und zieht damit direkt in die JBLH 2026/27 ein – ohne den Umweg über eine weitere Quali-Runde. Toller Teamgeist, viel Willenskraft, beherzte Abwehrarbeit und starke Nerven machen das scheinbar Unmögliche möglich. Der alles entscheidende Siegtreffer im letzten Spiel gegen den Bergischen HC fällt dabei – nicht zum ersten Mal – in der Schlusssekunde. Und dann brechen auf dem Feld und auf der Tribüne alle Dämme …
Aber der Reihe nach.
Die Reise nach Calden bei Kassel traten die Spielerinnen, das Trainerteam (Susi Pignot, Andi Feulner, Paul Blumenthal und Jonas Habdank) sowie die mitreisenden Eltern und Fans der kooperierten A-Jugend von „Allach United“ mit Zuversicht, aber auch einer großen Portion Respekt an. Die Konkurrenz in diesem Turnier mit fünf Vereinen war massiv: Gegen die badische SG TG Altdorf/DJK Ettenheim und die gastgebende HSG Ahnatal/Calden hatte man in den Vorjahren bei Qualifikationsturnieren bereits verloren. Dazu gesellte sich der Nachwuchs des Zweitligisten Bergischer HC und die TSG 1846 Mainz-Bretzenheim – das einzige Team, gegen das die „Forstis“ bereits einmal gewinnen konnten.
Die Ausgangslage war klar: Der Turniersieger schafft den direkten Sprung in die JBLH, die Plätze 2 und 3 dürfen in einem weiteren Qualifikationsturnier ihr Glück versuchen, die beiden letztplatzierten Teams scheiden aus und müssen ihren Bundesliga-Traum für ein Jahr begraben.
„Wir gingen vor Turnierbeginn davon aus, dass jeder jeden schlagen kann und vieles von der Tagesform abhängen wird“, so Paul Blumenthal. „Deshalb haben wir uns darauf fokussiert, in jedem Spiel unser Bestes zu geben und nicht zu weit vorauszuschauen“.
Der Spielplan meinte es diesmal gut mit unseren Mädels: Vor ihrem ersten Einsatz konnten sie bereits alle vier gegnerischen Teams in Aktion sehen. Auf der Tribüne verfestigte sich bei den Fans der Eindruck: Altdorf/Ettenheim und Ahnatal/Calden sind sehr stark, vielleicht zu stark – das Ziel muss daher wohl Platz 3 sein. Doch es sollte ganz anders kommen …
Zum Auftakt bekam es das Team aus Bayern mit der TSG Bretzenheim zu tun. Ein Sieg war in diesem Spiel fast schon Pflicht, um nicht früh alle Hoffnungen aufgeben zu müssen. Es entwickelte sich ein packendes Duell auf Augenhöhe, bei dem Ebersberg/Allach nach anfänglicher Führung jedoch ab der 12. Minute einem Rückstand hinterherlaufen musste, der in der zweiten Halbzeit sogar auf fünf Tore anwuchs. Doch dann drehte unser Team – auch begünstigt durch zwei Zeitstrafen – so richtig auf: Zweimal Franzi Janzen (mit 8 Treffern erfolgreichste Werferin), Sophia Steinherr, Lilly Reinosch und Emma Ehlers machen aus einem 9:14 ein 15:15 – und noch sind vier Minuten auf der Uhr. Beim Stand von 17:17 erobert „Allach United“ 14 Sekunden vor Schluss den Ball zurück, nimmt eine schnelle Auszeit und bereitet sich auf den letzten Angriff vor. Und diesen spielen unsere Mädels dann mustergültig und nervenstark aus: Unter Bedrängnis bringt Lena Dirnberger den letzten Pass nach Rechtsaußen und Emma Ehlers behält – mit der rechten Hand! – kühlen Kopf und versenkt den Ball eine Sekunde vor Schluss zum Siegtreffer.
Der Jubel kannte da schon keine Grenzen … aber der Weg war noch lang.
Im zweiten Spiel wartete der Turnierfavorit aus Altdorf/Ettenheim auf unser Team – und nahm uns vielleicht etwas zu sehr auf die leichte Schulter. Als Lena Dirnberger (mit 7 Treffern Top-Scorerin) neun Minuten vor Schluss zum 19:15 traf, merkten die Badenerinnen erstmals: Oops, da läuft etwas schief – und egalisierten das Ergebnis innerhalb von nur vier Minuten (19:19). Doch während die Badenerinnen sich schon auf der Siegerstraße fühlten, drehte Ebersberg/Allach das Spiel sensationell noch einmal – und führte 35 Sekunden vor Schluss durch Treffer von Nadine Schlegel und Sophia Steinherr plötzlich mit 23:21. Die Entscheidung, denn mehr als ein Anschlusstreffer gelang den Favoritinnen nicht mehr. Fassungslos hängende Köpfe bei Altdorf/Ettenheim, fast ungläubiger Jubel bei Ebersberg/Allach.
Einziger Wermutstropfen an diesem ansonsten perfekten Tag: Kreisläuferin Anna Warkotsch verletzte sich im zweiten Spiel am Sprunggelenk. Der im Vorfeld eh schon durch großes Verletzungspech gebeutelte Kader der „Forstis“ war fortan also noch weiter dezimiert.
Umso mehr freute sich die bayerische Handball-Delegation beim Blick auf die Tabelle: Die Turn- und Sportvereine aus Ebersberg und Allach beendeten die erste Turnierhälfte – auch dank einer überragenden Klara Grimm im Tor und konsequenter Abwehrarbeit vor ihrem Tor – mit 4:0 Punkten als Spitzenreiter! Doch noch war nichts erreicht, für unsere Mädels waren weiterhin alle Szenarien im Bereich des Möglichen: nicht nur die direkte Qualifikation, sondern leider auch das sofortige Ausscheiden.
Turniertag zwei begann für „United“ denkbar unglücklich: Viele vergebene Chancen gegen eine sehr starke Torhüterin sorgten für eine klare 13:18-Pleite gegen die HSG Ahnatal/Calden. Jetzt galt es: Kopf hoch, Krone richten und volle Konzentration auf das letzte, alles entscheidende Duell mit dem Bergischen HC, der selbst unbedingt einen Sieg benötigte, um noch weiterzukommen.
Ebersberg/Allach würde mit einem Sieg sogar immer noch die direkte Bundesliga-Qualifikation schaffen (aufgrund des gewonnenen direkten Vergleichs mit Altdorf/Ettenheim). Bei einem Unentschieden dürfte man zumindest nochmal in der zweiten Quali-Runde ran. Eine Niederlage wäre jedoch gleichbedeutend mit dem das Aus aller Bundesliga-Hoffnungen.
United-Coach Andi Feulner: „Wir haben dem Team nochmal klar gemacht, dass nichts verloren ist und wir den Ausgang des Turniers immer noch selbst in der Hand haben – und haben die Mädels auf ihre eigenen Stärken eingeschworen.“
Und das mit großem Erfolg: Die „Allacher Forstis“ wandelten den Druck in beeindruckender Art und Weise in Energie um und starteten wie die Feuerwehr: 3:0, 6:1, 11:3 – nach sechzehn Minuten schien der ambitionierte Zweitliga-Nachwuchs aus Nordrhein-Westfalen fast schon geschlagen, doch dann kippte das Spiel plötzlich: Innerhalb von nur fünf Minuten kämpfte sich der Bergische HC bis auf drei Tore heran und glaubte auf einmal wieder an seine Chance. Fünf Minuten vor dem Ende war es dann passiert: Der BHC ging zum ersten Mal in Führung (16:17), bei den bayerischen Fans auf der Tribüne machte sich Verzweiflung breit. Aber ihr Team war nicht bereit, aufzugeben – und hielt dagegen. Bis zur Crunchtime …
40 Sekunden vor Schluss, es steht 19:19. „Allach United“ ist im Ballbesitz, findet aber keine Lücke, der Distanzschuss bei drohendem Zeitspiel geht knapp am linken Pfosten vorbei. Der BHC hat also nun die Entscheidung in der eigenen Hand – und kommt auf der linken Außenbahn tatsächlich frei zum Wurf, hat die Rechnung aber ohne Klara Grimm gemacht: Unsere Torhüterin pariert sensationell mit dem Fuß – und schafft es sogar, den Ball sofort wieder ins Spiel zu bringen. Der letzte Angriff der „Forstis“ rollt, die Sekunden ticken dahin … noch drei, noch zwei … Franzi Janzen täuscht einen Wurf an, passt dann aber überraschend noch einmal nach rechts. Noch eine Sekunde, die Zuschauer halten den Atem an … und Miri Dietrich … trifft!
20:19, der Sieg, die direkte Bundesliga-Qualifikation!
Der Rest ist grenzenloser Jubel, viele Freudentränen – und großer Stolz! Trainerin Susi Pignot bringt es auf den Punkt: „Die Mädels haben als Team agiert und sich gegenseitig maximal gepusht. Alle wollten diesen Erfolg unbedingt und waren bereit, dafür über ihre eigenen Grenzen hinauszugehen.“
Unbändiger Wille scheint also wirklich Berge versetzen zu können. Und genau diesen Spirit braucht es nun auch in der kommenden JBLH-Saison. Nachdem es der Jahrgang 2009/2010 zur Premiere der Ebersberg-Allacher Kooperation in der vergangenen Saison schon in die B-Jugend-Bundesliga geschafft hat, darf sich nun also auch der Jahrgang 2008/2009 auf dieses Abenteuer freuen.
Jonas Habdank, der die erfolgreiche Vereins-Koop mit ins Leben gerufen hat, weiß aber auch: „Die Leistungsdichte ist in der A-Jugend aufgrund der geringeren Anzahl an Staffeln und Startplätzen noch einmal höher als in der U17-JBLH. Doch genau diese Herausforderung bietet unseren Mädels jetzt die Chance, den nächsten Entwicklungsschritt zu machen und sich optimal auf den Sprung aus der Jugend in den Seniorenbereich vorzubereiten.“
Aber bis zum ersten Anwurf in Deutschlands höchster Jugend-Spielklasse dürften Spielerinnen, Trainerteam, Eltern und Fans noch oft und intensiv zurückdenken – an dieses unvergessliche Handball-Wochenende in Hessen.
Bundesliga – here we come!

