Erfolg abseits der Ergebnistafel

Ebersberg – Trotz besten Ferienwetters herrschte am Feiertag in der Dr.-Wintrich-Halle Feierstimmung. Das lag zum einen an den vorfreudigen Handballfans der Frauen-Bundesligareserve von Frisch Auf Göppingen, die mit Reisebus und Autokorso aus Baden-Württemberg in die Kreisstadt angereist waren. Denn schon ein Unentschieden hätte den Gästen genügt, um den Aufstieg in die 3. Liga zu fixieren.
Von ihrem Aufstiegstraum hatten sich die Gastgeberinnen als punktloses Tabellenschlusslicht der Qualifikationsgruppe Süd zwar schon verabschiedet. Den letzten Heimauftritt der Spielzeit 2025/26 wollte der TSV EBE Forst United mit seinen treuen wie zahlreichen Anhängern nach einer starken Regionalligarunde und Platz zwei aber freilich standesgemäß zelebrieren. „Mit 230 Fans war die Halle gut besucht“, freute sich Uniteds Spartenleiter Felix Mäsel dann recht früh auch über sportliche Etappenerfolge.

Gut sechs Minuten waren gespielt, als Forsties-Trainerin Susanne Pignot, die das Team gemeinsam mit Beatrix Balogh und Simon Klawe betreut, das erste Timeout nahm. „Wir sind bis zum 1:4 schwer reingekommen und haben vorne zu früh die Abschlüsse gesucht“, beobachtete Mäsel nach Pignots Korrekturen eine gravierende Veränderung. „In der Abwehr haben wir uns massiv gesteigert und ein solides Bollwerk aufgebaut.“
Tat sich nun plötzlich Göppingen schwer, zum Torerfolg zu kommen – Mäsel: „Wenn, dann nur über ihre wirklich sehr starken Außen“ – sorgte Panna Csatas Doppelpack für den 5:5-Ausgleich (13.). Ausgerechnet Csata, müsste man wohl sagen. Denn die 22-jährige Spielmacherin, die mit Ungarn U17-Europameister wurde, wird Forst United nach dreieinhalb Jahren zum Saisonende verlassen.
„Sie ist unser einziger Abgang, aber dafür ein sehr schmerzhafter und trauriger“, verabschiedete sich nicht nur Felix Mäsel nach der Partie schweren Herzens offiziell vor den applaudierenden Fans von einem der Ebersberger Publikumslieblinge. Nach dem finalen Qualigruppenspiel der Forst Ladies am Sonntag, 14. Juni (16 Uhr), beim HC Schmiden/Oeffingen wechselt Panna Csata zu Hypo Niederösterreich, die vor wenigen Tagen ihren 48. Meistertitel in der WHA Meisterliga holten.
Zurück auf der Platte kamen die Gäste bis zur Halbzeit unerwartet ins Schwitzen. Denn nach dem klaren 36:28-Heimsieg vergangenen Sonntag schien doch der Gegenbesuch in der Kreisstadt eine reine Aufstiegsformalität zu sein. „Das haben sie sich sicher nicht so vorgestellt“, feixte Mäsel, als seine Forst Ladies nach Nina Allomberts Treffer mit einer 16:15-Führung in die Pause marschierten.

Anders als ihr Göppinger Gegenüber hatte das Trainerteam der Ebersbergerinnen nicht primär die Ergebnisanzeige im Blick. Alle 16 Kaderspielerinnen erhielten ihre Einsatzminuten, darunter auch vielversprechende Nachwuchstalente aus der U19 wie Lilly Reinosch, die nach dem Seitenwechsel zwischenzeitlich auf 18:16 (34.) erhöhte. „Sie hat insgesamt nicht nur zwei Tore, sondern einen tollen Eindruck gemacht“, fand Felix Mäsel, dass sich Reinosch im Nachgang die Auszeichnung „Young Talent of the Match“ redlich verdient hatte.
Reinoschs zweiter Treffer zum 24:26 (50.) markierte in der Schlussphase das letzte United-Aufbäumen. So lange hatte es letztlich gedauert, bis sich der Göppinger Anhang langsam für die Aufstiegsfeierlichkeiten bereitmachen durfte. „Es war schon beeindruckend zu sehen, wie gut die jungen Spielerinnen schon im Team integriert sind. Da war bei den vielen Wechseln kaum ein Leistungsabfall zu erkennen“, lobte Felix Mäsel nach langer Zeit mal wieder einen Heimauftritt, der durchaus drittligareif war.
Obgleich nach der Schlusssirene und dem 29:33 erstmal Frisch Auf Göppingen II lautstark den Aufstieg bejubelte, ehe Nina Allombert im letzten Saisonheimspiel als Spielerin des Spiels gekürt wurde, waren die weiterhin punktlosen Ebersberger laut Mäsel um eine wichtige Erkenntnis reicher: „In der Abwehr haben wir uns jetzt stark gesteigert. Schon deshalb hat die Qualirunde für uns einen riesen Mehrwert.“

JULIAN BETZL
Forst United: E. Czeslik, Engler (im Tor), Brandl (1), Janzen (1), Csata (5/1), Warkotsch, Dirnberger (2), Mäsel (1), Alnajjar (1), Pollak, C. Czeslik (3), Reinosch (2), Schlegel, Steinherr, Allombert (10/2).